Anne Müller-Dorn
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Gegenständliche Malerei

 

In jüngster Zeit arbeitet Anne Müller-Dorn auch wieder gegenständlich mimetisch mit Ölfarben auf Leinwand. Dieser augenscheinlich konträr anmutende künstlerische Ansatz beinhaltet jedoch Aspekte, die sich auch in der Vorgehensweise zur konkreten Kunst wieder finden. Das ist zum Beispiel der teils experimentelle, forschende Charakter der Arbeit, aber vor allem auch der Umgang mit „Alltagsmaterial“, welches im künstlerischen Prozess isoliert und entfunktionalisiert wird und nur dadurch in seiner Eigenartigkeit wahrnehmbar wird.
Die Bildthemen entstammen dem alltäglichen, unprätentiösen Umfeld der Künstlerin.  Personen, Gegenstände, auf die wir  im Alltag  stoßen ohne sie im Wesen wahrnehmen zu wollen, wie zum Beispiel die unansehnliche Reihenhaussiedlung auf dem Weg zur Arbeit, die Arbeitskollegen, denen man gewohnheitsmäßig unaufmerksam oder gleichgültig begegnet, erfahren jetzt als Basis der künstlerischen Gestaltung Beachtung.

 

Die Porträtserie „Frauen“

Das Vehikel zur Realisierung der gestalterischen Idee ist die Digitalkamera, die technisch unkompliziert schnelle Momentaufnahmen des Motivs ermöglicht, welche mitunter auch skurril und gar nicht repräsentativ für die abgebildete Persönlichkeit sind. Gleichzeitig, und dies ist von
entscheidender Wichtigkeit, ist die Anmutung der Abzüge gegenüber der Wahrnehmung kälter, steriler, farblich intensiviert.  Das Druckergebnis wird von der Künstlerin außerdem dort manipuliert, wo sie raueres, stärker saugendes Papier verwendet oder die Einstellungen zur Druckqualität verändert.
In der Folge entstehen  quasi  fehlerhafte Ausdrucke, die in der Farbigkeit und in der Bildwirkung  von der Realität abweichen und somit gerade auch in ihrer farblichen Verfremdung malerische Anreize bieten. Die so entstandenen Fotografien bilden die Vorlage für die Malerei.

Der Malvorgang ist also eben keine Alla-prima-Malerei, keine unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Motiv, sondern vermittelt durch Kamera und Drucker, eine versachlichte Beschäftigung mit der abbildbaren Oberfläche der Person.
Ähnlich wie bei den konkreten Arbeiten der Künstlerin ist der Malprozess ein stiller, meditativer, sezierender, der von aus der Alltagsrealität entfremdeten Zwischenprodukten (hier den Digitalausdrucken) ausgeht.
Trotz hoher Ikonizität, Stofflichkeit, präziser Lichtführung, Detailgenauigkeit geht es hier nicht um einen fotorealistischen Ansatz, wie beispielsweise bei der Arbeit mit Airbrush nach Diapositiv-Vorlagen. Der Prozess des Malens mit Pinsel und Ölfarbe auf Leinwand ist nach wie vor sichtbar: An manchen Stellen ist der Pinselduktus betont, Detailgenauigkeit steht neben Unschärfe, damit immer deutlich bleibt, dass es sich um Malerei handelt.

Die Porträts der Frauen wirken schließlich überraschend eindringlich. Dies zeigt, dass trotz aller Versachlichung und Mittelbarkeit der Darstellung die Gemälde an irgendeiner Stelle des Arbeitsprozesses wieder mit Ausdruck aufgeladen werden. Dies mag an der Stelle stattfinden, wo die Künstlerin sich intensiv mit der Fotografie auseinandersetzt und ihre eigene Persönlichkeit mit dem fotografischen Abbild während des langwierigen Malprozesses verwebt.

Der Werkprozess dieser Arbeiten ist also gekennzeichnet von Objektivierung, gleichsam Entpersönlichung, doch auf den Betrachter wirken die Porträts zutiefst menschlich und unmittelbar. Das liegt daran, dass die Personen ohne Attribute, vor neutralem Hintergrund frontal den Betrachter anschauen, und dass somit eben durch die Neutralisierung der Person des Abgebildeten eine Projektionsfläche für die Persönlichkeit des Betrachters entsteht.


Thiel I, Öl auf Leinwand, 80x80cm


Thiel II, Öl auf Leinwand, 80x80cm


Katharina I, Öl auf Leinwand, 80x80cm


Katharina II, Öl auf Leinwand, 80x80


Christina, Öl auf Leinwand, 80x80cm


Tanja, Öl auf Leinwand, 80x80cm


Monika, Öl auf Leinwand, 80x80cm


Annette, Öl auf Leinwand, 80x80cm